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Raus aus der Komfortzone

Seit vielen Jahren beschäftigt mich immer wieder die Frage, wie nachhaltiges Lernen stattfinden kann. Hier im Blog werde ich das ein oder andere Fundstück zu dieser Frage teilen.



Lernzone statt Komfortzone

Hilfreich beim Nachdenken, wie nachhaltiges Lernen stattfinden kann, ist das "Drei-Sektoren-Modell".

Etwas verkürzt:

Die Komfortzone - geprägt von Vertautem (Personen, Situationen, Tätigkeiten, Orte). Ein Gefühl von Sicherheit und Wohlbefinden stellt sich ein.

Die Lernzone - hier liegt das Neue, was durchaus seinen Reiz hat und das Potential für Wachstum in sich trägt. Um sich das Neue zu erschließen und daran zu wachsen braucht es Vertauen in sich selbst - gerade, wenn Kontext, Situation, Aufgabe unvertraut sind. Selbstvertrauen gepaart mit Zuversicht. Darüber hinaus braucht es aber auch ein passendes Lernumfeld. Ein Umfeld, dass Fehler zulassen kann, einen Fehler als einen wichtigen Lernschritt wertet, der eben dazugehört. Ohne die Erlaubnis für Fehler wird es oft schwierig mit dem Ausprobieren. Und erntet man für Fehlern mehr Kritik und Tadel, wird der erneute Versuch viel schwieriger. Stattdessen braucht es Unterstützung, Ermutigung, Vertrauen und eine wertschätzende Haltung gegenüber dem Lernen und dem Lernenden.

Die Panikzone - verlieren wir das Vertrauen in uns und die Umwelt, verlassen wir unsere Lernzone. Unser Anspannungsgrad nimmt weiter zu, doch unsere kognitive Leistungsfähigkeit nimmt ab (das Yerkes-Dodson-Gesetz kommt zur Wirkung). Evtl. nimmt die Angst vor Fehlern und Versagen zu und ein Gefühl "wir sitzen am Steuer" nimmt ab und Ein Gefühl der Ohnmacht und des Ausgeliefert sein steigt auf. Lernen findet hier nicht mehr statt.



Lernzone als Erlebniszone

Wenn wir an die Grenzen des Gewohnten und Bekannten kommen, haben wir große Chancen zu wachsen, in dem wir das vertraute Terrain verlassen (Komfortzone) und uns auf unbekannte Gebiete vorwagen (Lernzone). Dazu braucht es Mut, Offenheit und Respekt für das Neue, (Selbst-) Vertrauen und ein Gefühl der Sicherheit, trotz unvertrautem Gelände.

In meiner Rolle als Trainer und Agile Coach bin ich gewohnt, Neues in einer Kombination von Input, praktische Anwendung (in Simulationen) und Reflexion anzubieten. Das Leitbild der Trainings: "Lernen durch Erleben mit motivierenden Angeboten und in einer wertschätzenden Umgebung". Und dabei lernen Teilnehmer und der Trainer als Gestalter und Begleiter eines komplexen Lernprozesses.



Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.
Quelle: Henry Ford


Diese Erfahrungen aus der Aus- und Weiterbildung von Erwachsenen in der Wirtschaft übertrage ich auch auf meine Rolle als Dozent an der Hochschule. Auch wenn die Rahmenbedingungen ganz unterschiedlich sind. Und dabei lass ich mich leiten von Erkenntnissen aus der Lernforschung (Socony-Vacuum Oil Co. Studies, U.S. Department of Health Education & Welfare, 1994, S.9).

Wir behalten...

  • 10% von dem was wir lesen

  • 20% von dem was wir hören

  • 30% von dem was wir sehen

  • 50% von dem was wir sehen und hören

  • 70% von dem was wir sagen, wenn wir uns unterhalten

  • 90% von dem was wir sagen, wenn wir etwas tun

Am nachhaltigsten ist Lernen durch selber Tun. Lernen aus Erfahrung durch aktive Teilnahme in Seminaren bzw. am Lernprozess statt "nur" lesen oder hören.



Sicherheit als Basis für Lern-Erlebnisse

Mein früheres Engagement in einer ganz anderen Welt – der Arbeit mit Familien zum Thema „Streiten und Versöhnen“ - hat mir die Bedeutung der psychologischen Sicherheit für Lernprozesse bewusst gemacht. Durch die Zusammenarbeit (und anschließender Reflexion) mit einem sehr erfahrenen Erlebnispädagogen schärfte ich Wahrnehmung und Kompetenz für diesen Lernfaktor.

Diese Erfahrungen und Erkenntnisse führten mich dazu, das Selbstverständnis eines Lernbegleiters zu entwickeln. Neben der sachlichen und zeitlichen Dimension erhält die Gestaltung der sozialen Dimension besonderes Augenmerk bei Design und Umsetzung Seminaren und Lernräumen. Dabei ist mir bewusst, dass sich „sicher“ fühlen subjektiv und in Wechselbeziehung zwischen emotionaler und kognitiver Einschätzung für jeden Lernenden steht!

Sicherheit als Basisfaktor für gelungenen Lernerlebnisse ist zu wichtig, um es unbewusst im Hintergrund bei Vorbereitung und Durchführung von Lernprozessen ablaufen zu lassen. Und gelungene Lernräumen zeigen sich am Ende im qualifizierten Feedback der Teilnehmenden.

Auf die Frage, was mich bei Design und Durchführung leitet, finde gar keine so leichte Antwort. Aber widerspiegeln tut es sich in jedem Fall in:

  • Visualisierung von Prozessen und Modellen. Bilder sollen das Denken in Systemen und Zusammenhängen unterstützen.

  • Mit Fragen geführte Reflexion 1-2-3+. Zuerst für sich, dann in Kleingruppen und ggfs. anschließender Austausch im Plenum.

  • Simulationen und Gruppenarbeiten mit anschließender geführter Retrospektive

  • Wissen in Eigenarbeit der Teilnehmer erarbeiten (meist in Gruppen) und im Plenum teilen lassen.

  • Interaktive Vorträge, Teachbacks, Moderation und andere hilfreiche Methoden für die Gestaltung von Lernumgebung und Prozess.

  • Und natürlich einer wertschätzenden Haltung zum (eigenen) Lernen und den Lernenden.


Wenn Du auch eine Leidenschaft für die Gestaltung nachhaltiger Lernprozesse hast und einen Austausch suchst oder Deine Perspektiven und Erfahrungen teilen möchtest, dann freue ich mich über Deine Mail thomas@selbst-werden.de. VG, Thomas